Die vierte industrielle Revolution ist längst keine Zukunftsmusik mehr – auch nicht für kleine und mittlere Unternehmen. Industrie 4.0 ermöglicht KMU im produzierenden Gewerbe, ihre Fertigungsprozesse zu optimieren, Kosten zu senken und wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine Schlüsselrolle spielen dabei smarte Verträge (Smart Contracts), die Produktionsabläufe automatisieren und transparenter machen.
Doch was bedeutet Industrie 4.0 konkret für Ihr Unternehmen? Wie können intelligente Verträge Ihre Produktion digitalisieren? Und welche Chancen und Herausforderungen bringt diese Technologie mit sich?
Dieser Artikel zeigt Ihnen praxisnah, wie KMU und der Mittelstand von der Kombination aus Industrie 4.0 und Smart Contracts profitieren – und wie Sie den Einstieg meistern. Dabei greifen wir auf Erkenntnisse der Plattform Industrie 4.0 und der Fraunhofer-Gesellschaft zurück.
Zusammenfassung in Kürze:
- Industrie 4.0 vernetzt Maschinen, Daten und Prozesse in Echtzeit. Für KMU bedeutet das: mehr Effizienz, weniger Stillstandzeiten und neue Geschäftsmodelle.
- Smart Contracts automatisieren Verträge in der Produktion – von der Materialbeschaffung bis zur Wartung. Sie basieren auf Blockchain-Technologie und führen Vereinbarungen selbstständig aus, sobald definierte Bedingungen erfüllt sind.
- Die wichtigsten Vorteile: Kostenersparnis durch Automatisierung, transparente Lieferketten, rechtssichere Dokumentation und schnellere Reaktionszeiten.
- Die Herausforderungen: Investitionskosten, fehlende Standards und rechtliche Unsicherheiten.
Was ist Industrie 4.0 für KMU?
Definition und Kernelemente
Industrie 4.0 beschreibt die intelligente Vernetzung von Maschinen, Produkten und Prozessen durch digitale Technologien. Kernelemente sind:
- Cyber-physische Systeme (CPS): Verknüpfung von realer Produktion und digitaler Steuerung
- Internet of Things (IoT): Sensoren sammeln Daten in Echtzeit
- Cloud Computing: Zentrale Datenverwaltung und -analyse
- Big Data & Künstliche Intelligenz: Optimierung durch datenbasierte Entscheidungen
Für KMU geht es dabei nicht um teure Neubau-Projekte. Vielmehr können bestehende Maschinen nachgerüstet werden – sogenannte Retrofit-Lösungen machen Industrie 4.0 auch für kleinere Budgets zugänglich. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat zahlreiche Pilotprojekte begleitet, die zeigen: Auch der Mittelstand kann schrittweise digitalisieren.
Warum Industrie 4.0 für KMU wichtig ist
Die Digitalisierung der Produktion ist kein Nice-to-have mehr, sondern Wettbewerbsfaktor. KMU, die heute investieren, profitieren morgen von:
- Höherer Produktivität: Automatisierte Prozesse reduzieren manuelle Eingriffe
- Flexibilität: Schnelle Anpassung an Kundenanforderungen
- Kostensenkung: Weniger Ausschuss, optimierte Materialnutzung
- Transparenz: Echtzeit-Überwachung der gesamten Wertschöpfungskette
Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts (2017) können KMU durch Industrie 4.0-Maßnahmen Einsparungen von Material und Energie von bis zu 25 Prozent erreichen. Die digitalisierte Produktion ermöglicht es zudem, individualisierte Produkte wirtschaftlich zu fertigen – ein entscheidender Vorteil im globalen Wettbewerb.
Was sind Smart Contracts?
Funktionsweise intelligenter Verträge
Smart Contracts sind Programme, die Verträge automatisch ausführen, wenn vorab definierte Bedingungen erfüllt sind. Sie funktionieren nach dem "Wenn-dann"-Prinzip:
- Wenn eine Maschine einen bestimmten Betriebsstundenwert erreicht → dann wird automatisch eine Wartung beauftragt
- Wenn der Materialbestand unter einen Schwellenwert fällt → dann löst das System eine Nachbestellung aus
- Wenn ein Produktionsschritt abgeschlossen ist → dann erfolgt die automatische Freigabe für den nächsten Schritt
Die Basis bildet meist die Blockchain-Technologie: Alle Transaktionen werden dezentral, unveränderlich und transparent gespeichert.
Unterschied zu klassischen Verträgen
Traditionelle Verträge erfordern manuelle Prüfung, Freigabe und Ausführung. Smart Contracts hingegen:
- Führen sich selbstständig aus ohne menschliches Eingreifen
- Sind unveränderlich nach Aktivierung
- Schaffen Transparenz für alle Beteiligten
- Reduzieren Fehlerquellen durch Automatisierung
Wichtig:
Rechtlich sind Smart Contracts in Deutschland noch keine "Verträge" im klassischen Sinne des BGB. Sie sind vielmehr technische Umsetzungen von Vereinbarungen, die außerhalb der Blockchain getroffen wurden. Die Vertragsfreiheit des deutschen Rechts erlaubt jedoch ihren Einsatz, wie die Plattform Industrie 4.0 in ihrer Publikation "Blockchain und Recht im Kontext von Industrie 4.0" (2019) bestätigt.
Anwendungsfälle: Smart Contracts in der Produktion
Die Industrie hat bereits heute konkrete Lösungen entwickelt, um Smart Contracts in der Produktion einzusetzen. Hier die wichtigsten Anwendungsfälle:
Automatisierte Materialbeschaffung
Materialengpässe verursachen Produktionsstillstände und Kosten. Smart Contracts schaffen Abhilfe:
Prozessablauf:
- Sensoren erkennen sinkende Lagerbestände
- Das ERP-System wird automatisch abgefragt
- Ein Smart Contract löst die Bestellung beim Lieferanten aus
- Lieferbestätigung und Tracking erfolgen über die Blockchain
- Bei Wareneingang wird die Zahlung automatisch freigegeben
Vorteile: Keine manuellen Bestellvorgänge, optimale Lagerhaltung, transparente Lieferhistorie und Kostensenkung durch Just-in-Time-Beschaffung. Das Management der Lieferkette wird dadurch erheblich vereinfacht.
Predictive Maintenance – Wartung vorausschauend planen
Ungeplante Maschinenstillstände sind teuer. Predictive Maintenance mit Smart Contracts verhindert Ausfälle:
So funktioniert's:
- IoT-Sensoren überwachen kontinuierlich Maschinendaten (Temperatur, Vibration, Betriebsstunden)
- Ein Algorithmus erkennt Verschleißmuster
- Der Smart Contract löst bei Wartungsbedarf automatisch einen Serviceauftrag aus
- Techniker werden benachrichtigt, Ersatzteile bestellt
- Die gesamte Wartungshistorie wird manipulationssicher dokumentiert
Laut Fraunhofer IML ermöglicht Predictive Maintenance Effizienzsteigerungen von bis zu 10 Prozent bei Gesamtanlagen. Praxisbeispiele zeigen Reduzierungen der Ausfallzeiten und Wartungskosten im einstelligen bis mittleren Prozentbereich.
Pay-per-Use: Neue Geschäftsmodelle
Statt hohe Investitionen zu tätigen, mieten KMU Maschinen nach tatsächlicher Nutzung. Smart Contracts machen's möglich:
Beispiel Equipment-as-a-Service:
- Ein Maschinenhersteller verkauft die Anlage an einen Finanzdienstleister
- Das produzierende KMU least die Maschine
- IoT-Sensoren erfassen die Betriebsstunden
- Ein Smart Contract berechnet automatisch die Nutzungsgebühr
- Abrechnung erfolgt transparent und sekundengenau
Vorteil für KMU: Geringere Einstiegsinvestitionen, kalkulierbare Kosten, Skalierung nach Bedarf. Dieses Geschäftsmodell ermöglicht es auch kleineren Unternehmen, hochmoderne Produktionsanlagen zu nutzen.
Transparente Lieferketten
In komplexen Wertschöpfungsketten verlieren Unternehmen oft den Überblick. Smart Contracts schaffen Klarheit:
- Jeder Produktionsschritt wird auf der Blockchain dokumentiert
- Temperatur, Lagerort und Verarbeitungsschritte werden lückenlos erfasst
- Qualitätszertifikate werden unveränderlich gespeichert
- Bei Rückrufaktionen lassen sich betroffene Chargen sofort identifizieren
Praxisbeispiel:
In der Lebensmittelindustrie ermöglicht die Blockchain-Technologie die Rückverfolgung von Produkten "vom Feld bis zum Teller". Diese Transparenz lässt sich auf jede Produktionskette übertragen.
Vergleich der Anwendungsfälle
Tabelle: Anwendungsfälle im Überblick
Anwendungsfall | Automatisierungsgrad | ROI-Zeit | Implementierungs-Komplexität |
|---|---|---|---|
Materialbeschaffung | Hoch (90%) | 6-12 Monate | Niedrig |
Predictive Maintenance | Mittel (70%) | 12-18 Monate | Mittel |
Pay-per-Use-Modelle | Hoch (85%) | 18-24 Monate | Hoch |
Transparente Lieferketten | Mittel (60%) | 12-24 Monate | Mittel-Hoch |
Hinweis: Die angegebenen ROI-Zeiten sind Richtwerte basierend auf Branchenerfahrungen und können je nach Unternehmensgröße, Ausgangssituation und Implementierungsqualität erheblich variieren.
Empfehlung für Einsteiger: Beginnen Sie mit der automatisierten Materialbeschaffung – sie bietet den schnellsten ROI bei geringster Komplexität.
Vorteile von Smart Contracts für KMU
Effizienzsteigerung und Zeitersparnis
Manuelle Prozesse kosten Zeit und Personal. Smart Contracts automatisieren wiederkehrende Aufgaben:
- Bestellprozesse laufen ohne menschliches Zutun
- Rechnungsstellung erfolgt automatisch nach Leistungserbringung
- Freigabeprozesse entfallen oder werden beschleunigt
Ergebnis: Mitarbeiter haben mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten. Das Management kann sich auf strategische Entscheidungen konzentrieren statt auf administrative Routineaufgaben.
Kostensenkung durch Automatisierung
Die Plattform Industrie 4.0 zeigt: Unternehmen sparen durch Automatisierung erheblich:
- Wegfall von Vermittlern (Banken, Notaren bei bestimmten Transaktionen)
- Reduzierung von Verwaltungsaufwand
- Vermeidung von Fehlern durch manuelle Dateneingabe
- Optimierung der Lagerhaltung
Erhöhte Transparenz und Nachvollziehbarkeit
Blockchain-basierte Smart Contracts speichern alle Transaktionen unveränderlich:
- Audit-Trails für Qualitätsprüfungen
- Nachweis korrekter Fertigungsparameter bei Produkthaftung
- Transparenz für Geschäftspartner ohne zentrale Vermittler
Rechtssicherheit und Compliance
Die lückenlose Dokumentation erfüllt viele Compliance-Anforderungen:
- CE-Kennzeichnung und Maschinenrichtlinie
- DSGVO-konforme Nachweise (mit richtiger Implementierung)
- Zertifizierungsprozesse werden automatisiert
Gut zu wissen:
Für die rechtssichere Umsetzung von Smart Contracts empfiehlt sich der Einsatz elektronischer Signaturen. Elektronische Signaturen nach eIDAS-Verordnung gewährleisten, dass Vertragspartner eindeutig identifiziert werden – eine Grundvoraussetzung für rechtswirksame digitale Verträge.
Smart Contracts und elektronische Signaturen gehen Hand in Hand. Yousign bietet rechtssichere eIDAS-konforme Signaturen, die perfekt mit Ihren Industrie 4.0-Prozessen harmonieren.
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Herausforderungen für KMU
Investitionskosten und ROI
Die Einführung von Industrie 4.0 und Smart Contracts erfordert Investitionen:
- Nachrüstung von Sensoren und IoT-Hardware
- Software-Lizenzen für IIoT-Plattformen
- Beratung und Implementierung
- Schulung der Mitarbeiter
Empfehlung: Starten Sie mit überschaubaren Pilotprojekten, die schnellen ROI versprechen – etwa bei der automatisierten Beschaffung. Nutzen Sie Förderprogramme wie die Mittelstand-Digital Zentren. Für den Mittelstand gibt es speziell zugeschnittene Lösungen, die auch mit begrenzten Budgets umsetzbar sind.
Technische Komplexität
Viele KMU verfügen nicht über Fachkräfte mit Blockchain- und IoT-Kenntnissen. Die Integration in bestehende IT-Systeme (ERP, MES) ist komplex.
Lösungsansätze:
- Nutzung von Beratungsangeboten der Mittelstand-Digital Zentren
- Open-Source-Lösungen bevorzugen (z.B. Hyperledger Fabric)
- Schulungen für Mitarbeiter
- Partnerschaften mit Technologieanbietern
- Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten wie dem Fraunhofer IML oder Fraunhofer IPA
Rechtliche Unsicherheit
In Deutschland gibt es noch keinen einheitlichen Rechtsrahmen für Smart Contracts. Offene Fragen:
- Wie werden automatisierte Verträge bei Anfechtung behandelt?
- Welche Haftungsregeln gelten bei fehlerhaften Smart Contracts?
- Wie lassen sich Verträge nachträglich anpassen?
Plattform Industrie 4.0 empfiehlt:
- Private/Permissioned Blockchains für B2B-Anwendungen nutzen
- Klare Nutzungsbedingungen mit Haftungsregelungen vereinbaren
- Rechtswahl in Verträgen festlegen
- Externe Rechtsberatung hinzuziehen
Achtung
Smart Contracts ersetzen nicht die rechtliche Beratung. Trotz Automatisierung sollten Sie bei komplexen Verträgen stets einen Fachanwalt konsultieren – insbesondere bei grenzüberschreitenden Transaktionen oder sensiblen Daten.
Datenschutz und DSGVO
Die unveränderliche Blockchain steht im Konflikt mit DSGVO-Rechten:
- Recht auf Löschung (Art. 17 DSGVO)
- Recht auf Berichtigung (Art. 16 DSGVO)
Praxislösungen:
- Personenbezogene Daten nicht direkt auf der Blockchain speichern
- Nur Hash-Werte in der Blockchain, Originaldaten separat
- Verschlüsselung mit Schlüsselvernichtung als "faktische Löschung" (anerkannt von der französischen Datenschutzbehörde CNIL)
- Private Blockchains mit klar definierten Verantwortlichkeiten
Wichtig
Speichern Sie niemals personenbezogene Daten direkt auf der Blockchain. Nutzen Sie Hash-Werte und speichern Sie Originaldaten in separaten, DSGVO-konformen Datenbanken. So bleiben Sie rechtlich auf der sicheren Seite und können die Vorteile der Blockchain-Technologie nutzen, ohne gegen Datenschutzbestimmungen zu verstoßen.
Interoperabilität und Standards
Verschiedene Blockchain-Protokolle (Ethereum, Hyperledger, R3 Corda) sind nicht kompatibel. Es fehlen einheitliche Standards für:
- Datenaustausch zwischen Blockchains
- Industrie 4.0-Schnittstellen (OPC UA, RAMI 4.0)
- Smart Contract-Programmiersprachen
Entwicklung: Die Plattform Industrie 4.0 arbeitet an einer Normungsroadmap. Initiativen wie die International Data Spaces Association (IDSA) treiben Interoperabilität voran und entwickeln gemeinsame Standards für den Mittelstand.
So gelingt der Einstieg: Praxisleitfaden
Schritt 1 – Bedarfsanalyse
Nicht jeder Prozess eignet sich für Smart Contracts. Prüfen Sie:
- Sind mehrere Parteien mit teils unterschiedlichen Interessen beteiligt?
- Ist Transparenz und Nachvollziehbarkeit kritisch?
- Gibt es wiederkehrende, regelbasierte Prozesse?
- Ist Manipulationsschutz wichtig?
Wenn ja: Smart Contracts sind geeignet. Wenn nein: Eine klassische Datenbank-Lösung reicht möglicherweise aus.
Schritt 2 – Pilotprojekt definieren
Starten Sie klein und messbar:
- Wählen Sie einen konkreten Use Case (z.B. automatisierte Nachbestellung)
- Definieren Sie klare Ziele und KPIs (Zeiteinsparung, Kostenreduktion)
- Begrenzen Sie Umfang und Budget
- Planen Sie eine Pilotphase von 3-6 Monaten
Schritt 3 – Technologiepartner auswählen
Setzen Sie auf bewährte Lösungen:
- Private Blockchain-Plattformen für B2B (z.B. Hyperledger Fabric)
- IIoT-Plattformen etablierter Anbieter (z.B. Siemens MindSphere)
- Open-Source-Lösungen mit aktiver Community
- Achten Sie auf Lizenzbedingungen (Apache 2.0 vs. GPL)
Schritt 4 – Integration und Schulung
Verbinden Sie Smart Contracts mit Ihren bestehenden Systemen:
- Schnittstellen zu ERP und MES entwickeln
- API-Entwicklung für Datenaustausch
- Schulungen für Mitarbeiter organisieren
- Staging-Umgebung vor Produktivbetrieb testen
Schritt 5 – Monitoring und Optimierung
Nach dem Start:
- Überwachen Sie KPIs kontinuierlich
- Sammeln Sie Feedback von Mitarbeitern und Partnern
- Passen Sie Prozesse bei Bedarf an
- Skalieren Sie erfolgreiche Use Cases
Fördermöglichkeiten für KMU
Die gute Nachricht: KMU müssen die Digitalisierung nicht alleine stemmen. Es gibt zahlreiche Unterstützungsangebote für den Mittelstand:
Mittelstand-Digital Zentren
Kostenfreie Angebote:
- Informationsveranstaltungen zu Industrie 4.0 und Blockchain
- Demonstratoren zum Anfassen (z.B. Blockchain-Snackautomat Mittweida)
- Praxisprojekte mit Begleitung
- Umsetzungshilfen und Leitfäden
Anlaufstellen:
- Mittelstand-Digital Zentrum Smarte Kreisläufe
- Blockchain Competence Center Mittweida
- Fraunhofer Blockchain-Labor
Finanzielle Förderung
Programme auf Bundes- und Landesebene:
- KfW-Digitalisierungsprogramme: Günstige Kredite für Investitionen
- Innovationsgutscheine der Länder: Zuschüsse für Beratung
- EU-Programme (z.B. Horizon Europe)
Tipp
Prüfen Sie aktuelle Förderprogramme auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Das Programm "Digital Jetzt" ist zum 31. Dezember 2023 ausgelaufen, aber Nachfolgeprogramme sind verfügbar. Frühere Förderprogramme konnten bis zu 50 Prozent der Investitionskosten abdecken.
Beratung und Know-how
Holen Sie sich externes Wissen:
- Blockchain-Kompetenzzentren an Universitäten
- Fraunhofer-Institute mit Industrie 4.0-Schwerpunkt
- IHK-Beratungsangebote zur Digitalisierung
- Technologienetzwerke und Branchenverbände
Zukunftsperspektiven
Regulatorische Entwicklungen
Die EU arbeitet an klareren Rahmenbedingungen:
- EU Data Act: Regelt Datenzugang und -weitergabe bei IoT-Geräten (anwendbar ab 12. September 2025)
- eIDAS 2.0: Erweitert elektronische Identitäten mit der neuen Europäischen Brieftasche für die Digitale Identität (EU Digital Identity Wallet)
- KI-Verordnung (AI Act): Regelt KI-Systeme nach Risikoklassen und kann KI-gestützte Entscheidungssysteme betreffen, die in Smart Contracts integriert werden (in Kraft seit 1. August 2024)
Diese Entwicklungen werden Smart Contracts rechtssicherer machen und KMU mehr Planungssicherheit geben.
Technologische Trends
- 5G und Edge Computing: Echtzeit-Datenverarbeitung in der Produktion
- KI-Integration: Machine Learning optimiert Smart Contract-Parameter
- Quantenresistente Verschlüsselung: Schutz vor zukünftigen Bedrohungen
- Tokenisierung von Assets: Digitale Abbildung physischer Maschinen
Nachhaltigkeitsaspekt
Industrie 4.0 und Smart Contracts unterstützen Nachhaltigkeitsziele:
- CO₂-Fußabdruck via Blockchain dokumentieren
- Kreislaufwirtschaft durch lückenlose Rückverfolgbarkeit
- Ressourcenoptimierung durch datenbasierte Prozesse
- ESG-Compliance automatisiert nachweisen
Fazit: Industrie 4.0 und Smart Contracts – Eine Chance für KMU
Die Digitalisierung der Produktion ist für KMU kein unerreichbares Ziel mehr. Industrie 4.0 macht Fertigungsprozesse effizienter, flexibler und kostengünstiger. Smart Contracts automatisieren Verträge, schaffen Transparenz und ermöglichen neue Geschäftsmodelle – besonders für den Mittelstand.
Ja, es gibt Herausforderungen: Investitionskosten, rechtliche Unsicherheiten und technische Komplexität. Doch die verfügbaren Förderprogramme, Beratungsangebote der Fraunhofer-Institute und praxiserprobten Lösungen erleichtern den Einstieg erheblich.
Unser Rat: Starten Sie mit einem überschaubaren Pilotprojekt. Nutzen Sie die Expertise der Mittelstand-Digital Zentren und der Plattform Industrie 4.0. Und kombinieren Sie Smart Contracts mit rechtssicheren elektronischen Signaturen – so digitalisieren Sie Ihre Produktion Schritt für Schritt und zukunftssicher.
Die vierte industrielle Revolution wartet nicht. Wer heute handelt, sichert morgen seine Wettbewerbsfähigkeit.
Bereit für die Digitalisierung Ihrer Produktion?
Kombinieren Sie Smart Contracts mit rechtssicheren elektronischen Signaturen von Yousign

FAQ
Sind Smart Contracts in Deutschland rechtlich anerkannt?
Smart Contracts sind in Deutschland grundsätzlich zulässig, aber noch nicht explizit im BGB geregelt. Sie gelten als technische Umsetzung von Vereinbarungen. Die Vertragsfreiheit erlaubt ihren Einsatz, doch für rechtliche Sicherheit sollten klare Nutzungsbedingungen vereinbart und elektronische Signaturen zur Identifikation genutzt werden. Die Plattform Industrie 4.0 empfiehlt KMU, private Blockchains mit klaren Haftungsregelungen zu nutzen.
Welche Blockchain eignet sich für KMU?
Für B2B-Anwendungen in der Produktion empfehlen sich Private/Permissioned Blockchains wie Hyperledger Fabric oder R3 Corda. Sie bieten mehr Kontrolle über Teilnehmer, höhere Performance und besseren Datenschutz als öffentliche Blockchains wie Ethereum. Unternehmen können so die Teilnehmer kontrollieren und DSGVO-Anforderungen leichter erfüllen.
Wie hoch sind die Einstiegskosten?
Die Kosten variieren stark je nach Umfang. Ein Pilotprojekt mit Retrofit-Sensoren und Cloud-basierter Lösung kann je nach Komplexität ab 10.000-30.000 Euro realisiert werden. Nutzen Sie Förderprogramme – frühere Programme deckten bis zu 50 Prozent der Investition ab. Der ROI tritt bei gut gewählten Use Cases oft nach 12-24 Monaten ein. Der Mittelstand profitiert besonders von skalierbaren Lösungen, die schrittweise ausgebaut werden können.
Wie sicher sind Smart Contracts?
Smart Contracts auf Blockchain-Basis sind durch Kryptografie sehr sicher gegen nachträgliche Manipulation. Allerdings: Fehler im Programmcode oder manipulierte Eingangsdaten (Oracle-Problem) können zu Problemen führen. Wichtig sind gründliche Tests, Code-Audits und die Wahl vertrauenswürdiger Datenquellen. Das Fraunhofer-Institut bietet KMU Sicherheitsaudits und Beratung an.
Verstößt Blockchain gegen die DSGVO?
Die Unveränderlichkeit der Blockchain kann mit DSGVO-Rechten kollidieren. Lösungen: Personenbezogene Daten nicht direkt auf der Blockchain speichern, sondern nur Hash-Werte. Originaldaten separat halten und bei Bedarf löschen. Verschlüsselung mit Schlüsselvernichtung wird von der französischen Datenschutzbehörde CNIL als faktische Löschung anerkannt, eine einheitliche europäische Rechtsprechung steht jedoch noch aus. Private Blockchains mit klaren Verantwortlichkeiten sind DSGVO-konformer. Unternehmen sollten rechtzeitig einen Datenschutzbeauftragten einbeziehen.
Braucht man eigene IT-Experten?
Nicht zwingend. Viele IIoT-Plattformen bieten Low-Code-Lösungen und Managed Services. Die Mittelstand-Digital Zentren unterstützen kostenlos. Für komplexere Projekte empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit Technologiepartnern oder Forschungsinstituten wie Fraunhofer. Grundlegende Schulungen für Mitarbeiter sind jedoch sinnvoll, um interne Kompetenzen aufzubauen.





