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Elektronische Signatur und Signaturbild: Welche Rechtswirkung besitzen sie?

Mann vor seinem Laptop
Dominik Drechsler

Dominik Drechsler

Country Manager Germany @Yousign

Illustration: Léa Coiffey

Wenn Sie schon einmal Dokumente digital unterschrieben haben, so haben Sie sich sicherlich gefragt: Wieso werden mir verschiedene Möglichkeiten der Unterschrift angezeigt, nämlich ein vorgegebener Text mit meinem Namen, ein Feld um meine Signatur händisch zu malen oder die Möglichkeit mein eingescanntes Signaturbild hochzuladen?

Da vor allem unser Helpdesk die Frage langsam nicht mehr hören kann 😉, liefern wir hier die Antwort.

 1. Elektronische Signatur: Rechtswirkung

Für alle elektronische Signaturen gilt in Europa die eIDAS-Verordnung, die die Regeln für ihre Verwendung festlegt.

Sie muss eine Reihe von Kriterien erfüllen. Die wichtigsten sind: 

1️⃣ die Identifizierung des Unterzeichners, 
2️⃣ der Nachweis für die Zustimmung des Unterzeichners,
3️⃣ die Garantie für die Integrität des Dokuments, das heißt, dass sein Inhalt über die Zeit unbearbeitet und vollständig bleibt.

⚠️ Eines muss klar sein: Es genügt nicht, ein Bild einer Unterschrift in ein digitales Dokument einzufügen, damit es rechtsgültig wird. 

Nur das digitale Zertifikat, das mit dem Verfahren der elektronischen Signatur verbunden ist, belegt die Rechtswirkung, und nicht die rein visuelle Signatur, die auf dem digitalen Dokument eingefügt wird.

☝️ Gut zu wissen: Die elektronische Signatur verwendet ein immaterielles und unsichtbares kryptografisches Verfahren, das das elektronische Zertifikat mit den unterzeichneten Daten verbindet und sie in das unveränderbare PDF-Format integriert.

Das sichtbare Signaturbild (siehe Screenshot unten), egal in welcher Form (Name in vorgeschlagener Schreibschrift seitens der Software, Feld zur Freihandzeichnung der Signatur oder Upload eines eingescannten Signaturbildes)  hat im Wesentlichen eine psychologische und kosmetische Wirkung: Es dient lediglich zur materiellen Darstellung der Zustimmung des Unterzeichners

Im Umkehrschluss heißt das, egal welche der drei möglichen Signaturtypen Sie zur digitalen Signatur mittels einer zertifizierten Software verwenden, die Rechtswirkung von Allen ist dieselbe.

  • Visuelle Yousign-Signatur

Hinweis: Daraus folgt, dass die auf Papier ausgedruckte Fassung des auf elektronischem Wege signierten digitalen Dokuments nicht als rechtsverbindlich betrachtet wird.

Das Argument, dass der vorgegebene Text bspw. optisch gar nicht der Unterschrift entspricht, die ich manuell leisten würde, ist nicht valide. Der Rechtswert einer e-Signatur stammt immer aus den aufgezeichneten Daten während es Signaturprozesses, die in einer sogenannten Prüfdatei festgehalten werden (engl. Audit Trail). Und nicht aus dem Aussehen der visuellen Signatur.

Im Streitfall ist es deshalb die Prüfdatei, die es erlaubt, das elektronische Signaturverfahren technisch nachzuvollziehen. Wie? Durch die Bereitstellung der Informationen, die für den ordnungsgemäßen Ablauf dieses Verfahrens verwendet wurden, insbesondere das verwendete Zertifikat.

Auch für die Verwendung der elektronischen Initialen (=Paraphierung) mit unserer Yousign-Lösung gilt derselbe Grundsatz: keine tatsächliche Rechtswirkung, nur eine Rückversicherung für die Unterzeichner.

  • Elektronische Yousign-Initialen

2. Der Fall eines eingescannten Bilds einer handschriftlichen Unterschrift

Hierbei handelt es sich um die digitale Abbildung einer handschriftlichen Signatur. 

Die gescannte Unterschrift wird durch ein Digitalisierungs-Verfahren (oder Scan) eines zuvor handschriftlich unterzeichneten Papierdokuments, das in eines der digitalen Formate umgewandelt wurde (.doc, .pdf usw.), erhalten.

  • Eingescannte Unterschrift

⚠️ ACHTUNG: Eine eingescannte handschriftliche Unterschrift ist aus mehreren Gründen nicht rechtsgültig:

  • Der Unterzeichner kann nicht identifiziert werden.
  • Die Einwilligung in die Pflichten, die sich aus dem Dokument ergeben, kann nicht nachgewiesen werden.

Sie erfüllt nicht die Anforderungen der eIDAS-Verordnung, weil sie nicht fälschungssicher ist.

Zum Beispiel kann die Signatur mit einer Bildbearbeitungssoftware (DTP / Desktop-Publishing) ganz einfach geändert oder identisch nachgeahmt werden!

Zudem ist ein handschriftlich unterzeichnetes und danach eingescanntes Dokument kein Original und muss als eine Kopie betrachtet werden.

Hinweis: Auch wenn ein Schritt zur Authentifizierung der Identität des Unterzeichners hinzugefügt wird (z.B. durch einen SMS-Code), bleibt die eingescannte Unterschrift anfechtbar, da sie die Integrität des unterzeichneten Dokuments nicht gewährleisten kann.

Bei einem Gerichtsverfahren besitzt sie eine geringere Rechtskraft als die elektronische Signatur, sodass Sie in rechtlicher Hinsicht weniger gut geschützt sind.

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Fanden Sie diesen Artikel nützlich, um die eSignatur besser zu verstehen? Wir freuen über Ihr Feedback! 😀

Und vergessen Sie nicht: Das Signaturbild, das bei einem elektronischen Signaturverfahren auf einem digitalen Dokument sichtbar ist, hat keine Rechtswirkung. Nur das immaterielle und unsichtbare Zertifikat bewirkt die Rechtskraft!

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